Maryam Stibenz, Integrationsbeauftragte in Mitte     Fortsetzung von Seite 3:

"communities" und sollten sie an die allgemeine professionelle Regelversorgung heranführen. Die Verwaltung ihrerseits muss der Verantwortung nachkommen, ihre Dienste für Alle gleichermaßen anzubieten.
Es gibt kaum einen Begriff, für den es widersprüchlichere Definitionen gibt, als den Begriff "Integration". Was verstehen Sie unter Integration?
Als Physikerin hat mich der Umgang der Sozialwissenschaften mit Begriffsdefinitionen zunächst verwirrt. Es werden eher neue Begriffe erfunden, als eine Einigung über Begriffe. Integration heißt für mich persönlich: die chancengleiche Teilhabe an allen zentralen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens wie Bildung, Erziehung, Wirtschafts- und Arbeitsleben. Vor allem eine chancengleiche Teilhabe in Bildung und Erziehung ist sehr wichtig. Das ist eine unabdingbare Voraussetzung für die Teilhabe in anderen Bereichen wie Arbeitsmarkt und Wirtschaftsleben. Was der Begriff Integration für den Bezirk Mitte bedeutet, muss noch definiert werden. Dabei ist mir wichtig, Raum für Diskussion über verschiedene Interpretationen zu geben.
Sie haben erklärt, dass Sie den Schwerpunkt auf die Arbeit mit jungen Menschen und Familien legen wollen. Was halten Sie dabei für besonders wichtig?

Es geht einerseits um Vorbilder für junge Menschen, die merken sollten, dass Bildung der Schlüssel zum Erfolg ist. Oft wird behauptet, dass sich Eltern mit Migrationshintergrund kaum um ihre Kinder kümmern. Das stimmt so nicht. Um das Verhalten der Eltern zu verstehen, muss man sich die Situation eingewanderter Familien klarmachen. Z. B. beherrschen in diesen Familien die Kinder  die Sprache besser als die Eltern und finden sich in den gesellschaftlichen Institutionen besser zurecht, müssen zum Beispiel oft bei Behördengängen übersetzen. Normalerweise müssen die Eltern ihre Kinder stark machen, damit sie in der Gesellschaft ihren Platz finden. In solchen Familien geschieht das aus Mangel an Möglichkeiten zum Teil umgekehrt. Die natürliche Rolle, die Eltern in einer Gesellschaft normalerweise einnehmen, ist dadurch gestört. Wir müssen mit geeigneten Instrumenten an spezielle Bedürfnisse dieser Familien rangehen. Projekte wie das Lotsenprojekt stehen den Familien zur Seite, indem sie die Vermittlerrolle zu den Behörden einnehmen und Hilfe zur Selbsthilfe bieten. Im Bereich Elternbildung und Sprachförderung ist z.B. unsere Volkshochschule ein Vorreiter.
Maryam Stibenz: http://www.berlin.de/ba-mitte/org/integrationsreferent/
Lette-Verein: http://www.lette-verein.de/

LiesSte, Zeitung für den Stephankiez, Ausgabe Nr. 11:  April 2009                             Seite 4